|
Süße kleine Hundewelpen und andere Tricks
„Französiche Bulldogge Welpen suchen ab sofort ein liebevolles neues zu Hause sind 9 wochen alt geimpft, mehrmals entwurmt, reinrassig, Gesund und Freiatmend. aufgeweckt verspielt und aktiv. In verantwortungsbewsste und liebevolle Hände zugeben. Telefonnummer 00237 .... Die Kleinen sind besten sozialisiert und auf ihr weiteres Leben geprägt. Anschauen lohnt sich. Abzugeben für 210 Euro Schutzgebühr und Vertrag.“

Diese oder so ähnliche Anzeigen finden Sie derzeit im Internet auf verschiedenen Websites, wo man kostenlos inserieren kann. Was diese Anzeige nicht verrät: Diese Welpen wurden schon viele Male verkauft, weil dahinter ganz gerissene Betrüger (also Kriminelle) stecken, die allerdings aus dem Ausland agieren.
Der tierliebe Interessent, welcher auf diese Anzeige antwortet, erhält sofort Antwort. „Ja, die Welpen seien kostenlos zu haben, nur ein paar Gebühren müssten bezahlt werden!“ so heißt es dann in den nachfolgenden E-Mails, die allerdings im schlechten Deutsch verfasst sind und mitunter nur erraten werden kann, was der Schreiber damit zum Ausdruck bringen möchte.
Den tierlieben Interessenten, also das spätere Opfer, wird dies vermutlich nicht stören, weil er sich schon lange in diese süßen Hundewelpen verliebt hat. Dafür sorgen die zahlreichen Fotos, die dieser Anzeige beigefügt sind. Und genau hier wird sich entscheiden, ob Jemand Opfer dieser Masche wird bzw. werden kann oder nicht. Wer sich nämlich in diese Welpen so sehr verliebt hat, dass er unbedingt einen dieser putzigen Racker haben möchte, der ist extrem gefährdet, Opfer eines ganz gemeinen Betrugs zu werden.
Wie war nochmals das Angebot: Hund kostet nichts, nur die Gebühren sind zu entrichten. In einem der nächsten E-Mails wird dann das Opfer erfahren, dass die Hunde nicht in Deutschland, sondern in Afrika zu Hause sind und man doch die Gebühr per Western Union (also quasi als Bargeld) nach Afrika überweisen solle. Und wer sich in die Welpen verliebt hat, der wird auch ohne jegliche Sicherheit die erste Gebühr nach Afrika überweisen, es sind ja nur 210 Euro.
Sobald das erste Geld in Afrika ankommt, hätten die Betrüger im Grunde schon ihr Ziel erreicht: Sie haben Geld ohne Gegenleistung, nur für eine Illusion bekommen. Doch die denken nicht daran, jetzt das Opfer vom Haken zu lassen, ganz im Gegenteil: Man nutzt das Vertrauen, welches das Opfer den Betrügern entgegen gesetzt hat, so lange aus, wie dies möglich ist. Zuerst bekommt das Opfer eine E-Mail mit einer Bestätigung, dass das Geld in Afrika angekommen sei. Doch leider könne man den Hund noch nicht verschicken, weil man noch dies und das bräuchte und jedes Mal wird wieder um Bargeld via Western Union gebettelt. Und die Opfer zahlen tatsächlich. Mitunter mehrere tausend Euro.
Diese Masche wird in der Fachwelt auf Nigeria Scam oder Nigeria Connection genannt und funktioniert ungefähr so:
Zwischen dem späteren Opfer und dem Täter bzw. den Tätern wird ein Kontakt hergestellt und versucht, eine gewisse Vertrauensbasis aufzubauen. Wie und aus welchen Gründen der Kontakt zustande kommt, ist unterschiedlich.
Nigeria Scam (Scam = Vorschussbetrug) oder Nigeria Connection heißt diese besondere Form des Betrugs oder Abzocke deshalb, weil es in Afrika vor Jahrzehnten begann, als von dort aus massenhaft E-Mails nach Deutschland (oder nach Europa) verschickt worden sind. Ob die Absender tatsächlich in Afrika waren, darf sicherlich bezweifelt werden, aber sie gaben vor, von dort aus zu handeln.
Jeder von uns weiß, dass die politischen als auch die gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem schwarzen Kontinent nicht sehr stabil sind. Jeder von uns weiß, dass die Masse der Menschen in unvorstellbarer Armut lebt, während wenige Reiche so reich sind, dass man sich das gar nicht vorstellen kann. Und genau hier setzt die Masche an: Der unbekannte E-Mail-Schreiber gibt sich als Notar oder als Rechtsanwalt aus und bittet um Mithilfe, einen größeren Geldbetrag nach Deutschland zu transferieren. Meistens geht es um Millionen von Dollars und als Lohn für die Hilfe werden dann 10 oder 20 Prozent der Summer angeboten. In den E-Mails wird zunächst auch glaubhaft geschildert, warum man gerade die Hilfe eines Fremden aus Deutschland sucht: Weil man angeblich hier in Afrika niemanden trauen könne und leicht das Leben in Gefahr sei, wenn es um so große Summen geht. Da die zu transferierende Summe sehr hoch ist, beläuft sich auch die angebotene Aufwandsentschädigung in Millionenhöhe oder grenzt knapp daran an.
Wenn die 15jährige Tochter ihrem Vater erklärt, sie wolle den Frontmann einer bekannten Boygroup (Popgruppe mit meist vier bis fünf ausschließlich männlichen Mitgliedern im Teenager- und Twen-Alter) heiraten, dann wird jeder Vater über den kindlichen Unverstand seiner Tochter höchstens milde lächeln. Wenn aber ein angeblicher Multimillionär aus Afrika einen Fremden aus Deutschland dafür braucht, sein Geld nach Deutschland zu transferieren und ihm dafür ein kleines Vermögen bietet, dann schweigt bei dem einen oder anderen plötzlich der Verstand still und der pathologische Prozess ‚GELD FRISST HIRN’ setzt ein. Genau darauf spekulieren die Betrüger. Wer jetzt seine Hilfe anbietet, der wird bald eine weitere E-Mail mit der Bitte bekommen, Bargeld nach Afrika (via Western Union) zu schicken, um irgendwelche Formalitäten zu erledigen. Kaum ist das Geld in Afrika, da wird um weiteres Geld gebettelt, weil man jetzt einen Beamten bestechen muss und bald darauf muss man einen Sicherheitsdienst anheuern und so weiter und so fort. In der Hoffnung, irgendwann Millionär zu werden, schickt das geblendete Opfer immer größere Geldbeträge nach Afrika und erhält dafür immer abenteuerliche Fortsetzungsgeschichten via E-Mail. Nicht selten schicken solche Opfer über 10.000 Euro ohne jede Sicherheit als Bargeld nach Afrika – weil der Traum von der Million winkt.
Nachdem auf solche Maschen scheinbar niemand mehr herein fiel, weil man entweder selbst oder jemand aus dem Bekanntenkreis solche E-Mails erhielt, änderten die Betrüger ihre Masche etwas ab. Man ging dazu über, etwas mehr Vertrauen zu schaffen, indem man eine Legende (= erfundene Geschichte) mit tatsächlich existenten Personen erfand. Auch änderte die Betrüger ihr Vorgehen dahingehend, dass nicht gleich zu Beginn des Kontakts von Afrika die Rede gewesen war.
So lernte zum Beispiel eine in Deutschland lebende Frau über einen christlichen Chat eine Person kennen, die sich als die Witwe eines in Asien ermordeten Kirchenführers und Oppositionspolitikers ausgab. Diesen Mann hat es tatsächlich gegeben und dieser Mann wurde auch tatsächlich ermordet. Das war der wahre, nachprüfbare Teil der Geschichte und diese begann auch nicht in Afrika, sondern in Asien. Nun klage diese Frau ihrer Chatpartnerin ihr Leid, dass die von der Familie ihres ermordeten Mannes angefeindet werden würde, jedoch habe ihr ihr Mann vor seinem Tode eine Summe in Millionenhöhe überlassen, an die sie jedoch ohne fremde Hilfe nicht heran kommen würde. Diese Schatztruhe befände sich bei einem Sicherheitsunternehmen in AFRIKA (wir sind also wieder dort gelandet) und nur eine fremde Person, von der die Familie des Mannes keine Kenntnis habe, könne diese Summe ins gelobte Land (Deutschland) schaffen. Als Lohn für die Mühen bat sie der Frau schließlich 10 Prozent der Summe an und das waren knapp 1,5 Millionen Dollar.
Einerseits gerührt von dem Schicksal dieser armen Politiker-Witwe, andererseits geblendet von der Vorstellung, bald Millionärin zu sein, sagte die Frau ihre Hilfe zu. Obwohl sie selbst kaum Geldmittel zur Verfügung hatte, erbettelte sie sich Stück für Stück bei Freunden, Verwandten und Bekannten zusammen 15.000 Euro und schickte dies Stück für Stück nach Afrika und später nach Spanien. Sie bekam dafür eine mehrteilige Fortsetzungsgeschichte über die Reise der Schatztruhe von Afrika nach Europa präsentiert, die als Stoff für einen zweistündigen Abendteuerfilm gereicht hätte. Immer wieder traten neue Probleme auf, die es notwendig machten, dass die Frau wieder Geld schickte, bis ihr das Geld schließlich ausging.
Es tauchen immer neue Varianten dieser Masche auf, vor der nicht einmal staatliche Stellen sicher sind: So zahlte die Stadt Ennigerloh 2001 einem Sozialhilfeempfänger 145.000 €. Er hatte den Bürgermeister durch einschlägige Dokumente von einem angeblich in Afrika festsitzenden Vermögen von 34 Mio. € überzeugt und versprochen, ein Vielfaches des Vorschusses an die Stadt zurückzuzahlen, sobald er an sein Geld gekommen sei. In der Folge dieser Vorkommnisse verlor der Bürgermeister sein Amt und musste sich wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder vor Gericht verantworten.
Janella Spears, eine Krankenschwester aus dem US-Bundesstaat Oregon, glaubte den Betrügern, die ihr für eine Überweisung von 100 Dollar 20 Mio. Dollar versprachen, wenn das Geld erst in Sicherheit sei. Die Nigeria-Connection ließ der Frau sogar gefälschte Briefe von US-Präsident Bush zukommen. Innerhalb von zwei Jahren hatte die Frau mehr als 400.000 überwiesen - großteils aus Krediten. Ein Undercover-Ermittler bezeichnet den Fall als den schlimmsten Scam, den er je mitbekommen habe.
Auch das Bundeskriminalamt warnt auf seiner Website vor dieser Masche. Link: http://bka.de/profil/faq/hinweise/angebot.html
Wenn Sie mehr von diesen Beispielen lesen wollen, dann klicken Sie einfach hier: http://www.nigeria-connection.de/
Um auf das Anfangsbeispiel zurück zu kommen: ‚Kleinvieh macht auch Mist’ dachten sich die findigen Hundewelpen-Verkäufer und ernteten damit sicherlich nicht Millionen. Uns sind jedoch zwischenzeitlich mehrerer Fälle bekannt, wo zumindest die anfangs geforderten 210,00 Euro überwiesen wurden. In einem Fall überwies eine Frau beinahe das 10fache, bis sie merkte, dass sie einem Schwindel aufgesessen war.
|
|